Tag 1:Die Anreise nach Santiago verläuft planmäßig. Mit drei schweren Rucksäcken (55kg) wird die Weiterreise zur Herausforderung. Mit dem Bus fahre ich nach Mendoza, um das Permit zu lösen. Die von zu Hause mitgebrachte Erkältung wurde durch die Zugluft im Bus auch nicht besser.
Tag 2:Mit dem Permit in der Tasche fahre ich um 5h morgens mit dem Bus zurück nach Penitentes. Dort angekommen bemerke ich, dass meine Bergschuhe fehlen. Sie stehen im Hotel in Mendoza. Ausserdem ist Penitentes alles andere als eine Weltmetropole, der Begriff "Kaff" ohne Supermarkt trifft es da schon eher. Also mache ich mich auf den Weg zurück nach Mendoza. Wir warten auf den Bus, und warten, warten, ... Nach 3 Stunden kommt dann ein rauchender Bus mit Motorschaden. In Argentinien nimmt man das nicht so genau und das Wort Ersatzbus existiert im argentinischen Sprachgebrauch nicht. Ein Touristenbus nimmt uns dann gegen Aufpreis mit nach Mendoza.
Tag 3:Ich kaufe Gas, Verpflegung und noch ein paar Kleinigkeiten und fahre dann wieder 4 Stunden mit dem Bus zurück nach Penitentes.
Tag 4:Am 31.12. war ich wieder zurück in der "Bergmetropole" Penitentes. Ich fahre mit dem Bus nach Horcones, stehe dann zum ersten mal vor der Südwand und kann den Berg sehen und auch riechen. Mir war jetzt klar: "Da oben werde ich stehen!". Zu Fuß marschierte ich dann über Puente del Inca zurück ins Nobelhotel (die Duschen sind nur mit der ABC Ausrüstung vom Bundesheer benutzbar). Silvester verbringe ich dann im Hotel bei einem ganz guten Menü und einer Flasche argentinischen Wein. Das Ganze erinnert mich etwas an den Text des Liedes "Tequilla Sunrise" vom Ostbahn Kurti.
Tag 5,6 und 7: Am Neujahrstag geht es dann richtig los. Ich marschiere mit der "schweren Wolke" (ca. 35kg) nach Pampa de Lenas. Ziemlich öde gestaltet sich der Marsch nach Casa de Piedra, wo ich auch übernachte. Am nächsten Tag musste ich den eisig kalten Vacasfluß barfuß überqueren und nach knapp 10 Stunden Aufstieg stehe ich dann mit schmerzendem Rücken im Basislager.
Tag 8,9 und 10: Nach einem Ruhetag steige ich weiter auch ins Lower Camp 1 und danach in Camp 1 auf 5000m. Am Nachmittag bricht ein Sturm los, der berüchtigte „Weiße Wind" Viento Blanco, der bis zum nächsten Tag anhält. In der Nacht wurde es eisig kalt und meine nächste Investition war auch schnell klar: Daunensocken für warme Zehen! Am Morgen werde ich mit tollen Bildern und weissen Bergen belohnt.
Tag 11: Ich steige wieder ab, denn Wolfgang sollte bald ankommen. Der medizinische Check beim Arzt im Basislager verläuft äußerst positiv: Werte wie zu Hause und ich kann jeder Zeit Richtung Gipfel aufbrechen. Ich erhalte die Info, das Wolfgang nächsten Tag in Basislager ankommen sollte, aber es kam anders.
Tag: 12,13,14:Warten, warten, warten! Am 12. Jänner am Nachmittag erreicht Wolfgang dann das Basecamp. Nach einer kurzen Pause und einer ordentlichen Mahlzeit beschliessen wir, noch weitere knapp 1.000 Höhenmeter ins Lager 1 weiterzumarschieren.
Tag 15: Das Wetter ist nahezu perfekt und so brechen wir am nächsten morgen mit dem gesamten Gepäck Richtung Lager 2 (ca. 6.000m) auf. Knapp 30 kg im Rucksack und die dünne Luft machen den Aufstieg nicht gerade einfach. In der Nacht rütteln fönähnliche Winde das Zelt ordentlich durch.
Tag 16 und 17:Da wir die Müdigkeit der letzten Tage verspüren, die Wettervorhersage gut ist, beschließen wir einen Ruhetag einzulegen um am für uns letztmöglichen Tag den Gipfel in Angriff zu nehmen.
Tag 18:Die erste Herausforderung des Gipfeltages war es dann, die Thermosflaschen am zugefrorenen Teich mit Wasser zu füllen. Mit der Morgensonne beginnen wir um acht Uhr den langen Weg Richtung Gipfel. Trotz nicht ganz optimaler Wetterverhältnisse (Wind und eisige Kälte) kommen wir gut voran. Die letzten 300 Höhenmeter (Súper Canaleta) sind bei so manchen Bergsteigern sehr gefürchtet und auch die Schlüsselstelle des Berges. Trotz der Strapazen der Vortage und dem kombinierten Gelände aus Eis und Fels bringen wir die letzten, doch sehr anstrengenden Höhenmeter hinter uns und wir stehen um 13 Uhr am Gipfel des höchsten Berges außerhalb Asiens. Ich bin überglücklich endlich am sehr unspeltakulären Gipfel zu stehen. Da bekanntlich der Gipfel nur Halbzeit ist, beginnen wir nach ein paar Erinnerungsfotos den Abstieg ins Lager 2. Wir bauen unser Zelt ab und steigen noch weitere 2.000 Höhenmeter ab ins Basislager, das wir erst nach Einbruch der Dunkelheit erreichen.
Tag 19 und 20:Wir schicken sämtliches Material mit Maultieren ins Tal und steigen am Morgen ab bis Pampa de Leñas. Ohne Zelt übernachten wir nur mit Schlafsack und Unterlagsmatte unter den südamerikanischen Sternen. Um 4 Uhr morgens nehmen wir dann die letzte Etappe unserer Reise in Angriff und erreichen am Morgen wieder Puente del Inca, den Ausgangspunkt unserer Reise. Zum Abschluss dieser Expedition kann ich noch einen persönlichen Rekord verbuchen: Mit acht Stunden in einem engen Kleinbus die längste Wartezeit an einer Grenze (Argentinien-Chile).
Tag 21Nach 24 Stunden ohne Schlaf kommen wir dann müde im Hotel in Santiago an. So sind die beiden Berge Mount Vinson und Aconcagua zu Ende gegangen wie Sie begonnen haben: Nämlich mit Warten.
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